Solitaschen für Velika Kladusa!

Da es nach wie vor so ist, wie es eben ist, haben wir uns gedacht, wir wollen versuchen Solitaschen zu machen.

Und tataaa! hier das Ergebnis.

“Grantige Hendeln für offene Grenzen!”

Falls ihr welche haben wollt oder euch auch vorstellen könnt die weiterzuverteilen – bitte meldet euch bei uns! weezel@riseup.net

Das Restaurant wie auch der Shop sollen kommende Woche wieder starten und damit den Menschen nach einer langen Phase wieder Zugang zu den dringend nötigen Ressourcen geben.

Ein spannender, wichtiger  Bericht über die Situation in Bosnien wurde gerade veröffentlicht. Hier der link: https://ba.boell.org/en/2019/02/21/people-move-bosnia-and-herzegovina-stuck-corridors-eu

News from nowhere/anywhere

Die Europäische Union hatte zwar 2016 die Balkanroute für geschlossen erklärt, aber in der Realität
war nur die Grenze zwischen Serbien und Bosnien geschlossen und die Menschen auf der Flucht
haben andere Wege gefunden. Es war vor etwas mehr als einem Jahr, Anfang 2018, als die Route
den Kanton Una-Sana im Nordwesten von Bosnien und Herzegowina und damit Bihać und Velika
Kladuša erreichte. Am Anfang war es nur die lokale Bevölkerung die den Menschen beistand.
Inzwischen hat die IOM, finanziert von der EU, einen Teil der Aufgaben übernommen, es gibt zwei
oder drei Lager in Bihać und eines in Velika Kladuša, diese sind jedoch zahlenmäßig nicht
ausreichend und schlecht geführt. Deshalb leben besonders in Velika Kladuša viele Menschen
außerhalb des Lagers, entweder weil sie nicht hinein wollen oder weil sie nicht aufgenommen
werden. Die Grenzen zu Serbien und Montenegro sind relativ einfach zu überqueren, an der Grenze
nach Kroatien wird ein Großteil der Menschen, die versuchen über die Grenze zu kommen, sofort –
oft mit Gewalt – zurückgebracht, ohne dass sie die Möglichkeit hätten, dort um Asyl anzusuchen.
Das stellt eine Verletzung der Genfer Flüchtlingskonvention dar. Die Situation in Velika Kladuša ist
auch deshalb speziell, weil hier die Menschen ankommen, die aus Kroatien zurückgewiesen werden
und immer wieder versuchen, die Grenze zu überqueren. Der Kanton Una-Sana ist so zu einem
Migrationshotspot geworden und hat die Hauptlast der europäischen Flüchtlingspolitik zu tragen.
Bis vor Kurzem haben zwei Gruppen aus der Zivilgesellschaft, (SOS Team Kladusa und No Name
Kitchen) die mangelhaften Dienstleistungen und Einrichtungen der IOM ergänzt und damit die
Versorgung auch der Menschen, die nicht im Lager sind, sichergestellt. Freiwillige aus
verschiedenen EU-Ländern unterstützten sie dabei. Es gab ein von lokalen Menschen geführtes
Restaurant, das zum Teil von der niederländischen Lemon Foundation finanziert wurde, im gleichen
Gebäude war ein Shop des SOS Team Kladuša untergebracht, in dem Kleidung, Schuhe und andere
Dinge verteilt wurden. Ein großer Teil davon kam durch Spenden aus ganz Europa, dringend
notwendige Dinge wurden vor Ort mit Hilfe von Geldspenden zugekauft. Im angrenzenden Haus
gab es eine Erste Hilfe Stelle.
Anfang März mussten alle diese Angebote von SOS und NNK aus verschiedenen Gründen
kurzfristig aufgegeben werden. Die Ausländerbehörde, Teil des Sicherheitsministeriums von BiH,
bestellte die ausländischen Freiwilligen ein, hielt sie manchmal mehrere Stunden auf der
Polizeistation fest und verwies die meisten von ihnen schließlich des Landes. Der Grund: sie wären
als Freiwillige für eine Organisation tätig gewesen, die nicht in Bosnien registriert sei und sie hatten
nicht die notwendigen Papiere beigebracht. Derzeit ist nicht klar, ob das dem geltenden Recht
entspricht und es wurde ein Anwalt engagiert um dagegen zu berufen. In dieser Situation waren
SOS und NNK jedoch gezwungen, die Zusammenarbeit mit Freiwilligen aus dem Ausland
einzustellen. Zudem blieb das Geld für den Restaurantbetrieb aus den Niederlanden aus, so dass
dieser eingestellt werden musste. Damit war auch der Raum für die anderen Angebote weg.
Außerdem lief die Kooperation zwischen SOS und NNK seit einigen Monaten schlecht. Seit etwa
zwei Wochen können die noch reichlich vorhandenen Spenden daher nicht mehr verteilt werden und
auch die Nahrungsversorgung außerhalb des Camps ist zusammengebrochen.
Viele der Bewohner der Region, die die Menschen auf der Flucht unterstützen, sind nach einem Jahr
erschöpft und ausgebrannt. Die Versorgung der Menschen außerhalb der Lager ist so nicht mehr
durchführbar. Die öffentlichen Stellen und internationalen Organisationen haben daran
offensichtlich kein Interesse. Die EU, die die Schuld an der Situation trägt, ignoriert die Probleme
der Region und der Menschen auf der Flucht völlig.
Nun haben aber zwei neue Personen die Koordination von SOS Kladuša und der No Name Kitchen
übernommen, die in konstruktiver Zusammenarbeit die Angebote neu aufbauen und den
Registrierungsprozess als NGOs durchlaufen wollen. Die Betreiber des Restaurants wären bereit
wieder anfangen, wenn die Finanzierung gesichert ist. Wenn es das Restaurant wieder gäbe, wäre es

auch möglich, den Shop und die Erste-Hilfe-Station wieder zu betreiben, wenn auch mit
einheimischen Ehrenamtlichen, so lange der Status ausländischer Freiwilliger nicht geklärt ist.
Derzeit könnte die Stiftung wieder zahlen, allerdings ist die Kontinuität nicht garantiert. Um die
Finanzierung des Restaurantbetriebs sicher zu stellen, an dem auch die anderen Angebote hängen,
werden Menschen gesucht, die bereit sind, einen monatlichen Betrag dafür zur Verfügung zu stellen
– community based humanitarien aid sozusagen.

Es geht weiter!

Trotz vieler Schwierigkeiten, den Ausweisungen und der Illegalisierung von humanitärer Hilfe in Bosnien geht es weiter.

Es sind wieder neue Freiwillige in Velika Kladusa und bemühen sich darum die Organisation vor Ort so aufzustellen, dass  humanitäre Hilfe in den neu gesetzten Rahmenbedingungen wieder legal möglich sein wird. Wahnsinn wieviele wundervolle Menschen es gibt, die einfach nicht aufgeben, egal wie zäh sich die Sache gestaltet.

Wir wollen von hier weiter supporten. Geldspenden und Sachspenden sind weiterhin herzlichst willkommen um nicht zu sagen dringend nötig.

Also fals eins von euch gern unterstützen will, bitte schreibt uns (mira.palmisano@gmx.at) oder kommt zur nächsten Veranstaltung in Salzburg am 28.3. um 19.00 in der Philharmonikergasse 2!

Bis  dann!!!

neues aus bosnien

Nun hat sich auch die Lange für Volunteers in Velika
Kladusa verschlimmert bzw. ist die Arbeit mittlerweile verunmöglicht
worden. Die Polizei hat nun auch dem S.O.S. Team Kladusa jede Arbeit
untersagt und die Personen des Landes verwiesen. Teilweise dürfen sie
bis zu ein Jahr nicht mehr nach Bosnien einreisen.
Damit musste sämtliche Unterstützungsarbeit eingestellt werden. Auch das
Restaurant, dass vormals von Kriegsveteranen betrieben wurde, ist
derzeit nicht mehr in Betrieb. Wie sich die Menschen mit Essen und dem
Nötigsten versorgen, ist derzeit nicht klar.

Umso wichtiger ist es, nicht wegzuschauen, was da grade passiert.

wir werden dran  bleiben und auch weiter über diesen blog informieren.

Hier noch eine Einladung für Salzburg:

 

EU-Aussengrenze Bosnien – Zur Situation von Gefllüchteten in Velika Kladusa

Donnerstag, 28.3.2019, 19.00 in KHG (Katholische Hochschulgemeinde, Philharmonikagasse 2, Salzburg)

organisiert von der Plattform Menschenrechte

2019_03_28_EU_Aussengrenze_Bosnien-1

 

 

update aus kladusa

Nachdem am frühen Samstagmorgen willkürlich und mit Gewalt etwa 80 Bewohner des Camp Miral durch Staatssklaven in einen Bus gedrängt wurden, fürchten sich viele, ins Camp zurückzukehren.

Die Bewohner hatten nicht die Zeit, ihre Sachen mitzunehmen.

Auf ihr Rückfragen, wohin denn die Fahrt ginge, antworteten die Uniformierten nur aggressiv mit: “You! Go go go!! Go Bus!!”

Später erfuhren wir, dass der Bus die Leute ins Camp nach Sarajevo brachte. Dort schliefen viele die erste Nacht ohne Decken, da sie nicht die Zeit hatten, diese vom Camp in Kladuša mitzubringen.

Niemand will mehr im Camp übernachten. Alle fürchten sich vor der nächsten Deportation.

Die International Organization for Migration, kurz IOM, hat mit Hilfe des Militärs und der Polizei Leute nach Sarajevo deportiert, gegen ihren Willen, frühmorgens.
Solches Vorgehen sind sich viele Migranten in Bosnien gewohnt. Sie reagieren zwar bestürzt, aber nicht mehr mit der selben Frustration wie zuvor.
Sie haben einsehen müssen, dass ihre Stimme nicht zählt und falls nötig werden sie mit Gewalt zum Schweigen gebracht.

SOS Kladuša ist nach wie vor vor Ort und arbeitet mit dem Ziel, so lange wie nötig die schwächsten zu unterstützen.

Liebe Grüsse aus Kladuša,

E

DANKE

M: Was ich noch schreiben wollte. Danke. Ich bin beeindruckt von der Unterstützung die uns gemeinsam mit euch lieben Unterstützerinnen in Velika Kladusa gelungen ist. Insgesamt wurden etwas über 10.000 Euro gespendet die wir für Medikamente, Ärztinnen, Unterwäsche, Essen, Transport, Unterbringung etc. ausgegeben haben. Ausserdem gab es in der Zeit aus Österreich einige Spendentransporte die uns wieder mit Hosen, Pullis, Jacken, Socken und viele mehr versorgt haben. So dass wir beinahe die ganze Zeit gut versorgen konnten.

Ich hoffe ihr seid weiter motiviert gemeinsam an den Schrauben der ungerechten Verteilung von Rechten und Ressourcen zu drehen. Es gibt viel zu tun an allen Ecken und Enden. Ich hoffe einiges davon werden wir gemeinsam tun.

Ach ja… und eventuell wird dieser Blog von einer Freiwilligen in VK weitergeführt. Werden sehen.

Alles Liebe

 

Zurueck hinter den Mauern der Festung

M:Seit Samstag sind wir nun zurueck. Wie sicher sich alles anfuehlt, wie wenig hier passiert was auch nur irgendwie bedrohlich ist. Schon erstaunlich das jetzt mit neuer Erfahrung und einer gewissen Distanz zu fuehlen. Erstaunlich das trotz der irre grossen Sicherheit in der wir Leben mit Angst Politik gemacht werden kann.

Das Gefuehl einfach gehen zu koennen, einfach in das Land gehen zu koennen in das ich moechte -ohne – Hindernisse macht mich traurig und ein grosses Schuldgefuehl draengt herein. All die tollen Menschen die ich kennengelernt habe koennen das nicht. Sie werden weitere zig male versuchen Bosnien zu verlassen, werden weitere zig Gewalterfahrungen machen muessen. Und dann – inshallah irgendwo ankommen wo es in den meisten Faellen auch nicht viel besser ist.

Die Situation grundlegend zu veraendern ist die einzige Moeglichkeit. Eine unloesbare Aufgabe, ein Spiel gegen alle Machthaber*innen, alle Profiteur*innen. Und die sind gross und stark. Macht aber nix. Steter Tropfen höhlt den Stein wie mensch so schön sagt. Und Alternative zum weitertun gibt es ja schliesslich auch keine.

Und trotz des Gefühls dass es scheissungerecht ist, dass ich hier hinter der Festungsmauer ein wunderschönes Leben habe geniesse ich gerade jeden Augenblick. Jedes Zwitschern der Vögel, jedes Kinderlachen und jeden Sonnenstrahl. Das ist, was ich tun kann.

Und nicht mehr aufhören Velika Kladusa zu spüren, zu unterstützen und für diese Menschen zu kämpfen wann und wo auch immer ich kann.

 

letzter tag

l: nun ist wirklich der letzte tag. krass, wie schnell die zeit vergangen ist und wie lange sie gedauert hat.

gestern hatten wir nochmal den shop offen. dann gab es aber vor dem restaurant einen angriff auf einen marokkaner – mit messer und dem versuch, seine sachen zu klauen. er war ganz fertig und ängstlich. wir haben dann sowas wie firstaid gemacht und den shop anschließend geschlossen. auch heute machen wir deshalb zu. das passt uns aber ganz gut, weil jetzt haben wir noch den tag um alles gemütlich abzuschließen und auch innerlich immer mehr rauszugehen. heute sind wir durch die stadt spaziert (eigentlich hatten wir um 8.00 eine verabredung mit einem, dem seine schulter ausgerenkt wurde – er wurde vom fluss mitgerissen und gegen einen stein geschlagen – um ultraschall machen zu lassen. leider ist er aber nicht aufgetaucht.). die sonne hat gescheint und ich hab an unterschiedlichen punkten in der stadt erinnerungen der letzten wochen hochkommen lassen. so unterschiedlich war die zeit hier. so viel verschiedene zustände und erfahrungen.

ich bin so froh, dass wir hierhergefahren sind. ich weiss, das es sinn macht, auch wenn es nicht viel ist, was wir tun können. die jungs sind einfach so dankbar, dass da irgendwer ist, der zumindest versucht, sie wahrzunehmen und ihre situation nicht einfach hinnehmen.

das, was in unserer welt passiert, darf eigentlich nicht passieren und trotzdem passiert es. das versteh ich einfach nicht. sie könnte so schön sein, wenn wir nur wagen würden, sie anders zu gestalten.

 

Abschließen

M: Unsere Tage hier sind gezählt! Am Samstag schon werden wir VK verlassen, dass sich zwischendurch wie zu Hause anfühlt. Und manchmal so gar nicht. Ein Ort an den Grenzen der Festung Europa, der abstoßend wirken soll und das oft auch tut. Und in manchem auch so schön ist wie ich es selten wo erlebt habe. Viele Begegnungen hier sind einfach unglaublich.  Die Menschen aus VK die sich hier, unter solchen Umständen konstant und unnachgiebig für die Menschen am Weg einsetzen, beeindrucken mich unglaublich. Trotz Gegenwind.Die Geschichten dieser Menschen nehme ich mit in mir, wie ein Samenkorn, dass ich im richtigen Moment säen kann und mich mit der Kraft verbindet die diese Menschen seit Monaten bewegt.

Dafür fühle ich viel Dankbarkeit. Gleichzeitig fühlt es sich auch gut an zu gehen und an vieles hier in der Arbeit in Österreich und innerhalb der Festung anschließen zu können. So jetzt gehts für mich los in den Tag. Einen Tag der mit Sonnenschein begonnen hat.

 

l: es hat ein bisschen gedauert bei mir, bis ich nach einem wochenende off wieder hier ankommen konnte. das war wie ein kleiner schritt raus und es hatten schon die ersten wirkungen angefangen und dann wieder zurück. puhh. aber nach 1-2 tagen ging es gestern dann wieder ganz gut. ich bin wieder in soetwas wie einen rythmus gekommen. und ausserdem ist nun klarer, dass menschen kommen werden, die das weiterführen, was wir grade machen. das fühlt sich gut an.

ich kann mir grade noch gar nicht vorstellen, wie es ist, alleine zu sein. wie es ist, nicht ständig angesprochen zu werden, nicht von menschen umgeben zu sein, die alle nicht das bekommen und sich nicht das holen können, was sie brauchen.

noch drei tage hiersein. am vierten tag werden wir dann abgeholt. es fühlt sich nach einem guten zeitpunkt an zu gehen. dann können neue volunteers wieder neuen wind reinbringen. und es wird immer auch irgendwie weitergehen. mal schauen, was unsere aufgabe darin sein wird – das wird sich zeigen… und ihr werdet davon hören:)

Deportationen

M: Am Freitag haben wir spontan beschlossen für 2 Tage rauszufahren aus VK. Das haben wir gemacht. Handy aus, Computer aus. Schlafen, Essen, Natur. Mal runterkommen, oder zumindest in die Nähe davon. Auch wenn die Nächte vollgestopft sind mit Bildern und Unruhe tut es gut mal Abstand zu nehmen.

Die letzte Woche war von viel Unsicherheit geprägt. Die rassistischen Angriffe in die ich am Wochenende verwickelt war sind die ganze Woche weitergegangen. Jeden Abend wurden Menschen auf der Reise auch noch ihr letztes Geld, ihre letzten Zigaretten geklaut. Auch Unterstützer*innen wurden angegriffen.

Jetzt haben Freund*innenn schon einiges unternommen um gegenzulenken und wir werden sehen wohin sich diese Situation entwickelt.

Gut ist, dass sich eine tolle Person um die Heimreise des toten Körpers kümmert und dass das bereits in die Wege geleitet ist. Gut ist auch dass  Hamids Freunde seinen Körper sehen und sich nochmal verabschieden konnten.

So traurig es ist.

Am Freitag ist auch die Nachricht gekommen, dass die Autoritäten beschlossen haben alle ca. 4000 Menschen am Weg, die sich im Una-Sana Kanton befinden, gesammelt nach Sarajewo zu bringen und den Kanton Una – Sana dicht zu machen.

Wie und wann das passieren soll ist noch völlig unklar.Quelle Bild